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INTERVIEW vom 27. April 2005 mit ACHTUNG-BABY-Sänger Marc Schülert


Konzerte 2005

ZOOTOPIA: Am 29. Januar fand in Unna das Geburtstagskonzert der Police-Coverband "Reggatta de Blanc" statt, bei dem ihr auch äußerst erfolgreich aufgetreten seid. Was dachtet ihr vor und während des Konzertes? (Immerhin hattet ihr ja einen Fanclub dabei;-) Und was denkt ihr rückblickend darüber?

MARC: Es ist schwer zu sagen, was wir wohl vor oder während des Gigs dachten. Man fühlt eher. Ich glaube, die Emotionen überwiegen bei so etwas. Natürlich waren wir extrem überrascht, dass uns die Zuschauer, die ja eigentlich zum größten Teil "Reggatta de Blanc" sehen wollten, von Anfang an so gut aufgenommen haben (nicht auch zuletzt wegen der tollen Unterstützung durch Euch). Da war sofort ein Knistern im Saal, ... wir waren bloß die Antenne, die das ganze verstärkt hat.

ZOOTOPIA: Habt ihr schon etwas Besonderes aus euren bisherigen Auftritten des laufenden Jahres mitnehmen können?

MARC: Fast jedes Konzert hat so seine Besonderheiten. Aber wenn man eines herausheben müsste, dann wohl das in Aschaffenburg am 12. Februar. Das war auch schon im letzten Jahr so. Ich habe in meiner Laufbahn als Musiker selten ein so frenetisches Publikum erlebt. Ich kann Euch nur empfehlen, ein erneutes Forumstreffen dort stattfinden zu lassen!!!


Geschichte und Zukunft

ZOOTOPIA: Wie und wo begann eigentlich die Geschichte von ACHTUNG BABY? Wie wird sie weitergehen? Habt ihr neue und vielleicht schon konkrete Pläne?

MARC: ACHTUNG BABY wurde im Grunde von Andreas ("Adam Clayton") und mir bei einem Glas Bier aus der Taufe gehoben. Wir beide hatten vor über 16 Jahren gemeinsam eine Band namens "Paradocs" gegründet. Lief alles soweit ganz prima: Plattenvertrag, Konzerte vor 40.000 Zuschauern, Profi-Musiker-Dasein. Aber dann kam - wie so oft - der Absturz (Zerwürfnis mit der Plattenfirma, interne Zwistigkeiten etc.) Unsere Wege trennten sich. Andreas spielte dann noch zwei bis drei Jahre bei "DAN", während Carsten ("The Edge", der damals auch Gitarrist von "Paradocs" war) und ich weiterhin Songs schrieben. Ich versuchte dann noch mit diesen Songs zwei Jahre lang als Solist/Duo eine neue Karriere zu starten. Das war aber dann doch reine Zeitverschwendung. Bei Andreas lief zu der Zeit auch nichts mehr und er verkaufte sogar sein gesamtes Equipment, bis auf einen einzigen Bass. Vier Wochen später - das muss so im Herbst 2000 gewesen sein - saßen wir also beim Bier zusammen und stellten fest, dass ohne Mucke das Leben ganz schön öde ist. Tja, und dann meinte Andreas: "Lass uns doch einfach eine U2-Tribute-Band gründen! Können wir doch alles!" Man muss jetzt dazu sagen, dass wir schon mit "Paradocs" (immerhin gute acht Jahre) damit zu kämpfen hatten, dass vieles bei uns nach U2 klang; besonders der Gesang und die Gitarre.
Wie es mit ACHTUNG BABY weitergehen wird, ist schwer zu sagen. Das hängt ja immer ganz davon ab, ob noch alle die Lust daran behalten. Berufliche oder private Auslastungen können ein solches Unterfangen ja auch immer ein wenig in den Hintergund drängen. Ich persönlich sehe uns aber noch am Anfang stehen. Es gibt mit AB noch vieles zu entdecken.


ZOOTOPIA: Hattet ihr zu Beginn noch andere Bandnamen zur Auswahl?

MARC: Oh, eine ganze Menge sogar. ACHTUNG BABY war aber unsere erste Idee und das sind ja bekanntlich die besten. Zur Auswahl standen u.a. noch Namen wie New2 oder NU2, Bonos Tracks, Red Rocks, Heartland und Exit. Aber letztlich hat sich dann die erste Idee doch durchgesetzt, nicht zuletzt vielleicht auch, weil der Name ACHTUNG BABY die Art von Sexappeal ausdrückt, die wir bei einer Rock-Band wie U2 sehr mögen.

ZOOTOPIA: Findet ihr, eure "Heimspiele" in Lüneburg seien grundsätzlich die besten Konzerte und gute Stimmung sei dort immer vorprogrammiert?

MARC: Nicht unbedingt! Wir haben in Lüneburg schon tolle Konzerte gespielt, aber die besten hatten wir z.B. im Colos-Saal in Aschaffenburg oder in Lüdenscheid beim "Nachtflug". Bei Heimspielen ist die Anspannung auch immer noch ganz anders, weil dann viele Leute kommen, die uns gut kennen und uns schon sehr oft gesehen haben. Da hat man dann immer den Anspruch, dieses Mal etwas anderes oder besonderes zu bieten. Und das klappt halt nicht immer.

ZOOTOPIA: Welches war denn das für euch schönste und welches das peinlichste Ereignis auf der Bühne?

MARC: Das schönste Erlebnis war für den Großteil von uns sicherlich mit "Paradocs" beim Rock-Over-Germany 1992 in Lüneburg vor 50.000 Zuschauern zu spielen, neben Künstlern wie Prince, Tina Turner, Elton John, Rod Stewart, Duran Duran usw.
Peinlichkeiten gibt es eigentlich fast immer. Besonders gerne unterlaufen sie (naturgemäß) mir. Stolperer, Kabel-Aus-Mikro-Reißer und Textvergesser sind da keine Seltenheit. :-)


ZOOTOPIA: Möchtet ihr als Band einmal eigene Texte/Songs schreiben? Habt ihr dies vielleicht sogar schon getan? Was ist daraus geworden?

MARC: Tja, das haben wir alles schon hinter uns und zwar zu Hauf. So richtig draus geworden ist nichts. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass wir irgendwann wieder mal auch eigene Sachen schreiben.

ZOOTOPIA: Habt ihr einen gemeinsamen großen Traum? Wenn ja, wie sieht dieser aus und glaubt ihr, dass er irgendwie zu realisieren wäre?

MARC: Im Gegensatz zu vielen anderen U2-Fans war es uns bislang nicht vergönnt, eines unserer "Vorbilder" einmal persönlich kennen zu lernen. Ich hatte aber einmal das Vergnügen, für etwa 30 Sekunden in ihrer Umkleidekabine zu stehen, ehe ich in hohem Bogen rausgeschmissen wurde. Das war bei den Lovetown-Konzerten 1989 in Dortmund. Von daher wäre es schon nett, wenn uns mal ein persönlicher Kontakt gelänge.

ZOOTOPIA: Was wären Gründe für euch, ACHTUNG BABY aufzulösen? Wäre es vielleicht schon einmal beinahe zu einer Auflösung gekommen?

MARC: Über eine Auflösung haben wir noch nie nachgedacht. Ich denke auch, so lange der Spaß an der Sache bleibt, wird das auch so schnell nicht passieren. Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht einmal aus beruflichen Gründen der eine oder andere von uns die Band an den Nagel hängen muss. Aber das müsste nicht zwangsläufig das Ende für ACHTUNG BABY sein.


Die Zeit vor ACHTUNG BABY

ZOOTOPIA: Welche Gründe hatten die Auflösungen der Bands PARADOCS und DAN?

MARC: Perspektivlosigkeit!

ZOOTOPIA: Sind diese Kapitel für euch abgeschlossen oder sind sie lediglich "auf Eis gelegt"?

MARC: Ich denke, diese Kapitel sind definitiv zu den Akten gelegt. In der Hinsicht wird es keine Auferstehung geben.


ACHTUNG BABY und U2

ZOOTOPIA: Entwickelt ihr eine eigene "Seele" zu den gecoverten Songs? Und ist das überhaupt möglich, wenn es nicht wirklich die eigenen Lieder sind?

MARC: Das ist absolut möglich! Jeder von uns hat so seine(n) Lieblingssong(s) von U2 und wenn man die Songs live spielt, dann auf jeden Fall mit viel, viel Seele. Da kommt es nicht darauf an, ob man die Nummer selbst geschrieben hat oder nicht. Ich habe sogar schon eigene Songs mit wesentlich weniger Hingabe gesungen.

ZOOTOPIA: Welcher U2-Song macht euch am meisten Spaß zu spielen?

MARC: Das ist ganz verschieden. Ich denke aber, die Nummern, die uns allen gemeinsam sehr viel Spaß machen, sind z.B. WHERE THE STREETS HAVE NO NAME, WITH OR WITHOUT YOU, THE FLY, UNTIL THE END OF THE WORLD, VERTIGO und I WILL FOLLOW.

ZOOTOPIA: Welches Lied will auf der Bühne einfach nie so richtig funktionieren?

MARC: Das Problem stellt sich uns eigentlich kaum. Wenn wir merken, dass irgendwas nicht wirklich geht, spielen wir es auch gar nicht erst.

ZOOTOPIA: Welche U2-Songs werdet ihr nie covern und wieso nicht?

MARC: Na, ihr stellt fragen! ;-) Keine Ahnung! Aber solange ACHTUNG BABY existiert, werden wir uns zwischen den Alben der Originale sicherlich immer wieder mal die Zeit nehmen, um ein neues altes Stück einzustudieren. Und dabei ist alles möglich.

ZOOTOPIA: Welcher Song hat die meiste Zeit in Anspruch genommen, um diesen einzustudieren, und woran hat es gelegen?

MARC: Ich glaube, das war THE FLY. Das hat hauptsächlich daran gelegen, dass wir lange Zeit nicht genau wussten, ob wir es eher so wie auf dem Album umsetzen sollten, oder so wie z.B. auf der Boston-DVD. Am Schluss lief es besser mit der Live-Umsetzung aus Boston.

ZOOTOPIA: Gibt es U2-Songs, von denen ihr gerne die Lyrics und/oder die Musik nach euren Vorstellungen überarbeitet hättet?

MARC: Nein, eigentlich nicht. Die Lyrics schon gar nicht. Bei manchen Songs (z.B. DISCOTHÈQUE) haben wir ein bisschen was abgeändert, aber nur leicht und meiner Meinung nach auch so, wie U2 es in einem Paralleluniversum auch machen würden.

ZOOTOPIA: Marc, wie viele Stunden musstest du mit dem Sichten und Studieren von Konzertvideos verbringen, bis du Bonos typischen Bewegungen und Körperhaltungen nachahmen konntest?

MARC: Ich habe sie nicht gezählt. Aber da ich mir das ganze Zeug im Grunde schon seit fast 20 Jahren reinziehe, würde ich auch nicht von einem "Studium" sprechen. Nur, weil jemand regelmäßig betet, studiert er ja nicht gleich Gott - wenn ihr versteht! ;-) Genau wie auch jedem anderen Fan sind mir Bonos Gesten und Körperhaltungen irgendwann völlig geläufig gewesen. Na ja, und wenn ich die Songs performe, kommen solche Bewegungsabläufe dann ganz von selbst.

ZOOTOPIA: Hast du dich schon einmal gefragt, was das Publikum wohl denken mag, wenn du dich wie Bono bewegst und manchmal sogar schon wie er verrenkst? Schließlich haben ja nicht alle Zuschauer U2 schon einmal live gesehen und fragen sich: "Was macht dieser Sänger da eigentlich für seltsame Turnübungen?"

MARC: Ist mir manchmal auch ein bisschen peinlich. Aber im Moment des Konzertes denke ich darüber gar nicht nach. Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich davon überzeugt, dass unser Publikum mit dem Denken irgendwann nach dem vierten oder fünften Song aufhört und sich dann sowieso gemeinsam mit uns an der Mucke berauscht. Was für eine Rolle spielen dann noch ein paar Knoten in meinem Körper? ;-)


Neue CD

ZOOTOPIA: Eure CD "Live at Schrödersgarten (6. September 2003)" ist Zeuge eines unglaublich stimmungsvollen Auftritts, aber nun ja auch schon ein klein wenig älter. Arbeitet ihr inzwischen an einer neuen (Live-)CD? Falls ja, könnt ihr dazu schon etwas sagen (Konzert, VÖ-Termin)?

MARC: Ja, wir haben unseren letzten Auftritt im Colos-Saal in Aschaffenburg am 12. Februar 2005 mitgeschnitten. Leider sind wir bis heute noch nicht dazu gekommen, in das Material überhaupt reinzuhören, geschweige denn, es abzumischen. Aber ich denke, wir werden die bevorstehende Baby-Pause dazu nutzen.