| U2+ Johnny Cash |
| Geschrieben von: trash | ||||
![]() "Hello, I’m Johnny Cash!" Mit diesem schlichten Satz begann der "Man in Black" nicht nur seine Konzerte, sondern auch seine eigene Fernsehshow bei ABC Ende der 60er Jahre. Neben Gastauftritten vieler anderer Country-Stars der damaligen Zeit und weiterer Musiker verschiedenster Stilrichtungen zeigte Cash in seiner Sendung Einspieler, die sich mit der amerikanischen Kultur beschäftigten. Es ging um Religion, Landschaften, ja, sogar um Eisenbahnen und andere Themen. Die gezeigten Filme wurden mit Musik unterlegt und so quasi zu Vorläufern der heutigen Videoclips. Auch ein kleiner Junge aus Dublin in Irland, gerade mal neun Jahre alt, sah diese Sendungen im Fernsehen und wurde wie viele andere zum Fan. Damals ahnte der kleine Paul Hewson - später nannte er sich Bono - sicher noch nicht, dass sich Johnny Cashs Lebensweg und sein eigener einmal kreuzen würden. Knapp 20 Jahre später, im Jahr 1988, reisen Bono und Adam Clayton mit dem Auto quer durch die USA. Nach der legendären JOSHUA TREE-Tour sind U2 so berühmt wie nie zuvor. Demnächst wird das Album RATTLE AND HUM erscheinen, das noch mehr als sein Vorgänger Einflüsse amerikanischer Folk- und Rockmusik enthalten wird. Die zwei kommen auch nach Hendersonville im Bundesstaat Tennessee und treffen dort Johnny Cash zum Essen. Als Bono weitere fünfzehn Jahre später für den Rolling Stone einen Nachruf Johnny Cashs verfasst, erinnert er sich an jenes erste Treffen und erzählt eine kleine Anekdote: Vor dem Essen bat Cash seine Gäste, ein Gebet sprechen zu dürfen. Nachdem er ein paar andächtige Worte gesagt hatte, hob er den Kopf und meinte: "Sure miss the drugs, though" (Die Drogen vermisse ich trotzdem). Für den U2-Sänger ein ganz typischer Satz von Cash, der schließlich zeitlebens das Image eines raubeinigen Kleinkriminellen pflegte und immer wieder auf dem schmalen Grat zwischen ungezügelter Drogensucht und tiefer Religiösität balancierte. Als 2006 zu Johnny Cashs Song "Gods Gonna Cut You Down" posthum ein Video erscheint, in dem viele berühmte Kolleginnen und Kollegen dem Meister durch ihren Auftritt Tribut zollen, ist auch Bono zu sehen, wie er die Worte "Sinners make the best saints" (Sünder sind die besten Heiligen) an eine Wand malt und Cash damit gleichsam die passende Antwort auf seinen Scherz an jenem Abend gibt. Nach dem Essen in Hendersonville kommt es zu einer Session, in deren Verlauf ein bis heute unvollendeter Song entsteht: "Ellis Island". Man trifft die lockere Verabredung, das Stück per Fax fertigzustellen, was jedoch nie geschieht. Februar 1993. U2 nehmen gerade Stücke für ihr neues Album ZOOROPA auf, als sie erfahren, dass Johnny Cash gemeinsam mit Kris Kristofferson ein Konzert im Olympia Theatre in Dublin geben wird. Bono, The Edge und Larry besuchen das Konzert und werden von Cash zu dem Song "Big River" auf die Bühne gebeten. Dies soll übrigens das einzige Mal bleiben, dass U2 und Johnny Cash zusammen live auf der Bühne performen. Die Band ergreift jedoch die günstige Gelegenheit und bittet Cash, sie am nächsten Tag im Studio zu besuchen. Bono schreibt dem Country-Sänger einen Text auf den Leib. Der Arbeitstitel lautet zunächst "Johnny Cash On The Moon", wird dann jedoch über "The Preacher" und "Wanderlust" von The Edge schließlich in "The Wanderer" umgetauft. U2 – The Wanderer1 Cash ist zu dieser Zeit bei seinem Publikum nahezu in Vergessenheit geraten. Als dann aber klar wird, dass der Song tatsächlich als Schlusstitel auf der neuen U2-Platte erscheinen soll, erlangt Cash neue Präsenz bei Fans und Medien. Vielleicht ist es kein Zufall, dass gerade mal zwei Wochen später, als Cash wieder in den USA ist, der junge Produzent Rick Rubin bei ihm auftaucht und ihm eine Zusammenarbeit anbietet, die ein furioses Comeback des "Man in Black" nach sich ziehen wird.
Sechs Jahre und zwei AMERICAN RECORDINGS-Alben später ist Johnny Cash längst wieder in aller Munde. Allerdings ist mittlerweile auch bekannt, dass er an einer schweren Nervenkrankheit leidet. Am 6. April 1999 findet in New York ein Konzert zu Ehren Johnny Cashs statt. U2 steuern zu diesem Abend per Videoschaltung eine Coverversion des Cash-Klassikers "Don't Take Your Guns To Town" bei, den sie in ihrem Dubliner Studio aufgenommen haben. Cash revanchiert sich später auf seinem Album SOLITARY MAN mit einer grandiosen Interpretation von U2s "One". Er verleiht dem Song eine solch schlichte Schönheit und Souveränität, dass man eigentlich glauben mag, es handele sich dabei von vornherein um einen Johnny-Cash-Song.
Am 12. September 2003 stirbt John R. Cash. Unter dem Titel "I Walk The Line – A night for Johnny Cash" veranstaltet der US-Fernsehsender CBS im November 2005 zum Kinostart der Cash-Biografie "Walk The Line" (mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle) ein Tribute-Konzert. Neben vielen anderen Größen des Showbusiness nehmen auch U2 an dem Abend teil und spielen zum ersten und bisher einzigen Mal "The Wanderer" live. Bono übernimmt den Gesangspart, den sein Idol auf ZOOROPA gesungen hatte. Auf der Leinwand im Hintergrund der Band ist währenddessen das Portrait Cashs zu sehen.
U2 haben Johnny Cash verehrt und auch Johnny Cash hat U2 großen Respekt entgegengebracht. Beeinflusst haben sie sich sicherlich gegenseitig. Und so mag es nicht weiter verwundern, dass U2 derzeit keinen geringeren als Cashs Produzenten Rick Rubin für die Aufnahmen zu ihrem neuen Album beschäftigen. 1) Hörbeispiele zur Verfügung gestellt durch Last.fm. Mit freundlicher Genehmigung der Universal Deutschland GmbH. 2) Hörbeispiel zur Verfügung gestellt durch Last.fm. 2007-09-12
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Februar 1993. U2 nehmen gerade Stücke für ihr neues Album ZOOROPA auf, als sie erfahren, dass Johnny Cash gemeinsam mit Kris Kristofferson ein Konzert im Olympia Theatre in Dublin geben wird. Bono, The Edge und Larry besuchen das Konzert und werden von Cash zu dem Song "Big River" auf die Bühne gebeten. Dies soll übrigens das einzige Mal bleiben, dass U2 und Johnny Cash zusammen live auf der Bühne performen. Die Band ergreift jedoch die günstige Gelegenheit und bittet Cash, sie am nächsten Tag im Studio zu besuchen. Bono schreibt dem Country-Sänger einen Text auf den Leib. Der Arbeitstitel lautet zunächst "Johnny Cash On The Moon", wird dann jedoch über "The Preacher" und "Wanderlust" von The Edge schließlich in "The Wanderer" umgetauft.